Die Reise nach Maulle au Mer

 
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Juli 2014
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Kokainschmuggel

Ich habe mich auf einen heiklen Job eingelassen: Kokainschmuggel über die Grenze! Das ist gleichwohl weniger kühn als es klingt, denn die hiesigen Betäubungsmittelgesetze verbieten zwar die Einfuhr hölzerner Hämmer, Rauschgifte hingegen sind gänzlich legal.

Kokain wird kostenfrei verteilt, alle Dealer sind arbeitslos. Drei Drogenbosse haben prompt eine Petition verfasst, den Kokskonsum erneut unter Strafe zu stellen, damit der Schwarzhandel wieder blühe. Doch dieser Wunschtraum wird welken, denn keiner möchte die damit verbundenen Verbrechen zurück.

Da das weiße Pulver hierzulande wertloser Plunder, andernorts aber wohldotierte Pretiose ist, wird es von den Bürgern nicht weggeworfen, sondern angesammtelt und an die Grenze gefahren.

Jede Woche zieht ein tollkühner Treck schneebeladener Schubkarren-Cowboys bei Ebbe über die Meeresenge, um auf der Sandbank seine Kokainladung zu löschen.

Diesmal bin ich dabei, denn es bringt gutes Geld für die Urlaubskasse. Zahllose zuckerweiße Haufen werfen wir auf.

Wenn wir weg sind, werden die Schiffe der Kunden kommen und den Koks in ihre Heimat schaffen. Nur einer von uns bleibt zurück, um das Geld zu kassieren, die anderen können sich rausreden, nur Müll entsorgt zu haben. Zunächst hat man mich dazu erkoren. Ist es ein Vertrauensbeweis oder die Abwälzung des Risikos auf den Fremden?

Ich finde es nicht heraus, da mir ein Windstoß soviel Koks in die Nase bläst, dass ich schlimmste Halluzinationen habe.

Doktor Schröder sagt mir später, Kokain erzeuge im Gegensatz zu LSD gar keine Wahnbilder. Ich misstraue ihm, da er einen Rüssel trägt.

29. Juli in Maulle au Mer

 

Drogenpolitik

Früher gab es viele Drogentote in Maulle au Mer, denn früher war Rauschgift verboten. Wer dennoch koksen wollte, musste den Stoff teuer von Dealern erwerben, und um das Geld herbeizuschaffen, wurde mancher Raubmord begangen und manches junge Leben auf dem Straßenstrich verschlissen.

Seit Kokain kostenlos ist, gibt es nur noch die Toten, die an der Droge selbst sterben, nicht mehr all jene, die der Beschaffungskriminalität zum Opfer fallen.

Der Maullenser sieht dies ganz pragmatisch: Wer Gift schlucken möchte, soll dies tun, aber er soll nicht vom Staat dazu gezwungen werden, den ganzen Brunnen zu vergiften.
Copyright: Text von Michael Budde, Fotos von IMSI