Die Reise nach Maulle au Mer

 
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Oktober 2014
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Ausblick nach Gris à la Mer

Vom Nordkai aus kann man durch ein Steintor nach Gris à la Mer blicken. Zu erreichen ist es nur per Schiff und leider braucht man eine Einreisegenehmigung, die ich nicht mehr bekomme.

Ich habe viel über dieses Eiland gelesen, das eine vorbildlich tolerante Bevölkerung haben soll, die zu gleichen Teilen aus Farbigen und Weißen bestehe, ohne dass es dort Konflikte oder Rassismus gebe.

Ich mache ein paar Fotos mit dem Teleobjektiv und nehme mir vor, während meines nächsten Urlaubs rechtzeitig ein Touristenvisum für die Überfahrt zu beantragen.


31. Oktober in Maulle au Mer

 

Aparte Gesellschaft

Gris à la Mer, einst eine reiche Plantageninsel, galt lange Zeit als mustergültiger Ort, wo schwarze und weiße Bürger brüderlich zusammen leben. Dem aufmerksamen Touristen fallen jedoch kleine Ungleichheiten auf, die ein ausgeklügeltes System der Apartheid ergeben.

Als erstes bemerkt er, dass Schwarze und Weiße verschiedene Namen tragen. Es gibt ein Gesetz, wonach bereits am Vornamen die Hautfarbe erkennbar sein müsse. Doch diese Unterscheidung reicht den Bürgern nicht, denn für beide Hautfarben gibt es unterschiedliche Kleidung. Ein Weißer kann nicht die Kleider eines Schwarzen tragen, ohne zum Gespött zu werden. Umgekehrt ist es zwar geduldet, aber nicht gerne gesehen. In den Kaufhäusern gibt es zweierlei Abteilungen für Schwarzen- und Weißenmode.

Auch in anderen Bereichen findet eine Abgrenzung statt. Angefangen von Waschräumen, die nach Hautfarbe getrennt sind, bis zu unterschiedlichen Friseuren, bei denen Weiße stets weniger zahlen. Selbst in der Krankenversicherung wird zwischen Schwarz und Weiß geschieden, damit man von ersteren höhere Beiträge fordern kann. Im Sport wiederum teilt man die Wettkämpfe in solche für Schwarze und jene für Weiße, um sich nur mit Seinesgleichen messen zu müssen.

Wo es den Bürgern nützlich erscheint, wird die strikte Trennung durch Zwangsgemeinschaft ersetzt. So ist es den Schwarzen verboten, untereinander zu heiraten, und den Weißen ebenso. Es gibt daher nur gemischte Ehen, damit sichergestellt ist, dass ein schwarzer Ehepartner den Haushalt führt und sich der weiße auf seinen Beruf konzentrieren kann. Der schwarze Partner gilt nun als Anhängsel des weißen und bekommt dessen Nachnamen.

Entstehen aus dieser Beziehung Kinder, setzt die Trennung von neuem ein: Die weißen Kinder bekommen einen gelben Strampelanzug und die schwarzen einen grünen. Sind sie älter, so erhalten sie unterschiedliche Spielsachen, um sie auf ihre spätere Rolle in der Gesellschaft vorzubereiten.

Damit sie diese Rolle als Erwachsene nicht vergessen, gibt es für jede Hautfarbe unterschiedliche Zeitschriften und Bücher. In diesen erfahren Schwarze, wie sie die Weißen bezirzen und bekochen können, und die Weißen informieren sich, wie sie ihr Leben und die schönen Schwarzen genießen.

Copyright: Text von Michael Budde, Fotos von IMSI